Wenn niemand kauft, liegt es fast nie am Kunden: die fünf Schritte des Marketings
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Wenn niemand kauft, liegt es fast nie am Kunden: die fünf Schritte des Marketings

Von Andreas Loskan9. Oktober 20267 Min. Lesezeit

Marketing beginnt nicht bei der Werbung, sondern beim Produkt, und läuft in fünf Schritten, von denen jeder nur trägt, wenn der davor hält. Wenn es klemmt, reißt die Kette fast nie am Ende, wo alle zuerst hinschauen.

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Fast jeder fasst Marketing am letzten Schritt an, bei der Werbung. Mehr posten, lauter werden, breiter streuen. Und wenn es nicht funktioniert, lautet die Diagnose fast immer gleich: zu wenig Reichweite. Also drehst du die Lautstärke weiter auf, schaltest vielleicht Anzeigen, sprichst mehr Leute an, und wunderst dich, dass mehr vom selben nichts ändert.

Marketing ist aber keine Lautstärke, es ist eine Sequenz. Und sie beginnt lange vor der Werbung, beim Produkt selbst. Fünf Schritte, in einer festen Reihenfolge, und jeder trägt nur, wenn der davor hält. Wer die Sequenz kennt, hört auf, blind lauter zu werden, und fängt an zu prüfen, an welcher Stelle sie reißt. Meistens reißt sie nicht am Ende, wo alle zuerst hinschauen.

Ich schreibe das aus der Mitte der Landkarte, mit offenen Zahlen. Der unbequemste Satz zuerst, weil er alles andere ordnet: Wenn niemand kauft, ist fast nie der Kunde das Problem. Es ist die Geschichte, die du erzählst, oder ein Produkt, über das sich keine Geschichte erzählen lässt. Das klingt hart, ist aber die gute Nachricht, denn beides kannst du ändern, den Kunden nicht.

Das Symptom: du drehst die Lautstärke hoch, und nichts bewegt sich

Du erkennst es daran, dass du mehr tust und weniger zurückbekommst. Du postest häufiger, bist überall präsent, sprichst mehr Menschen an, und die Kurve bleibt flach. Die naheliegende Erklärung ist, dass du noch nicht laut genug warst. Also gibst du weiter Gas, und der Frust wächst, weil sich die Anstrengung einfach nicht in Ergebnis übersetzt.

Ein zweites Zeichen ist die Sorte Reaktion, die du bekommst. Höflichkeit, ein Nicken, ein freundliches "interessant", aber niemand fühlt sich wirklich angesprochen und niemand erzählt es weiter. Deine Botschaft trifft alle ein bisschen und keinen richtig. Das ist kein Reichweitenproblem. Das ist ein Zeichen, dass die Geschichte für einen Durchschnitt gebaut ist, den es gar nicht gibt.

Und dann ist da die Diagnose, die fast immer falsch ist: Der Markt sei schuld, die Kunden zu geizig, die Zeiten zu schwer. Solange du das Problem beim Käufer suchst, änderst du nie das Einzige, das in deiner Hand liegt. Wenn niemand kauft, liegt es selten am Menschen vor dir. Es liegt an der Geschichte oder am Produkt, über das sich keine erzählen lässt.

Das Prinzip: eine Sequenz, die beim Produkt beginnt

Marketing ist eine Kette, und jedes Glied trägt nur, wenn das davor hält. Am Anfang steht nicht die Botschaft, sondern das, worüber du eine Botschaft baust: ein Produkt, das bemerkenswert genug ist, dass sich das Reden lohnt. Ist es beliebig, kann keine noch so kluge Werbung das nachholen. Deshalb beginnt Marketing beim Machen, nicht beim Verbreiten.

Das zweite Glied ist eine Entscheidung gegen den Durchschnitt. Wer für alle baut, baut für niemanden. Die kleinste passende Zielgruppe, die wenigen, für die dein Angebot genau richtig ist, ist kein Verzicht, sondern der einzige Weg, überhaupt jemanden richtig zu treffen. Und du triffst sie nur, wenn deine Geschichte zu ihrer Weltsicht passt. Du überredest niemanden zu einem neuen Weltbild, du erzählst eine wahre Geschichte, die an das andockt, was dein Mensch ohnehin glaubt. Das ist Empathie, kein Trick.

Das vorletzte Glied wird am meisten übersehen: Menschen verbreiten nichts aus Nettigkeit. Sie reden über Dinge, die ihnen selbst etwas geben, Status oder Zugehörigkeit, das Gefühl, klüger zu wirken oder zu einer Gruppe zu gehören. Weiterempfehlung lässt sich nicht erzwingen, aber die Bedingungen dafür lassen sich schaffen. Und das letzte Glied ist schlicht Zeit: verlässlich auftauchen, Jahr für Jahr, bis du vermisst wirst, wenn du einmal fehlst.

Der Bauplan

Wenn niemand kauft, ist fast nie der Kunde das Problem, sondern die Geschichte. Und die Geschichte reißt fast nie bei der Lautstärke.

Die Übung: prüfe deine fünf Schritte der Reihe nach

Nicht lauter werden, sondern nachsehen, wo die Sequenz reißt. Geh die fünf Schritte einzeln durch und sei bei jedem ehrlich, ob er wirklich steht.

Die Sequenz
1

Schritt 1, etwas Bemerkenswertes machen

Frag zuerst nicht, wie du wirbst, sondern ob dein Angebot es überhaupt wert ist, bemerkt zu werden. Gibt es einen Grund, darüber zu reden, der nicht du selbst bist? Wenn nicht, liegt deine Arbeit hier, im Produkt, nicht in der Werbung.
2

Schritt 2, für die kleinste passende Gruppe bauen

Beschreibe die wenigen, für die dein Angebot genau richtig ist, so eng, dass sich manche ausgeschlossen fühlen. Richte alles auf sie aus. Der Durchschnitt für alle ist der sicherste Weg, niemanden zu bewegen.
3

Schritt 3, eine wahre Geschichte in ihrer Weltsicht erzählen

Finde heraus, was deine Menschen ohnehin glauben und wollen, und erzähl eine ehrliche Geschichte, die daran anknüpft. Nicht ihr Weltbild ändern, an ihr Weltbild andocken. Prüfe: Würde deine Zielperson diesen Satz selbst so unterschreiben?
4

Schritt 4, Bedingungen fürs Weitererzählen schaffen

Überleg, was jemand gewinnt, der über dich spricht: Wirkt er dadurch klüger, gehört er zu etwas, hilft er jemandem? Gib deinen Kunden einen Grund zu reden, der ihnen selbst nützt, statt nur auf Empfehlungen zu hoffen.
5

Schritt 5, verlässlich auftauchen, bis du vermisst wirst

Leg fest, wo und wie oft du erscheinst, und halte es lange durch, auch wenn es zäh anläuft. Wirkung entsteht nicht am ersten Tag, sondern an dem Tag, an dem dein Fehlen auffällt.

Der nächste Schritt

Ich schreibe das nicht vom Gipfel herab. Ich gehe die Landkarte selbst, Stufe für Stufe, mit offenen Zahlen, und ich habe lange am fünften Schritt gearbeitet, während der zweite bei mir gar nicht stand. Ich wurde lauter, obwohl meine Geschichte für einen Durchschnitt gebaut war, den es nicht gab. Kein Wunder, dass mehr vom selben nichts brachte.

Der Wert dieser Sequenz liegt nicht darin, dass sie neu ist, sondern dass sie dir eine Diagnose gibt. Wenn es klemmt, gehst du die fünf Schritte rückwärts durch, bis du das erste findest, das nicht hält. Fast immer ist es nicht der letzte, die Lautstärke, sondern ein früherer, das Produkt oder die Geschichte. Und genau die kannst du anfassen.

Bevor du also das nächste Mal mehr Reichweite kaufst, prüfe, ob dein Engpass wirklich dort sitzt. Vielleicht ist es nicht die Menge der Menschen, die dich sehen, sondern die Geschichte, die sie sehen, oder das Angebot, über das sich keine erzählen lässt. Bevor du lauter wirst, stell dir die eine Frage, die zählt: Wo sitzt dein echter Engpass?

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Häufige Fragen

Was solltest du zuerst prüfen, wenn trotz mehr Reichweite niemand kauft?
Prüfe nicht zuerst die Lautstärke, sondern die Sequenz. Geh die fünf Schritte der Reihe nach oder rückwärts durch und suche das erste Glied, das nicht hält. Oft sitzt der Engpass früher als bei der Werbung: beim Produkt, bei der kleinsten passenden Gruppe oder bei der Geschichte, die du erzählst.
Woran erkennst du, dass dein Problem nicht fehlende Reichweite ist?
Du erkennst es daran, dass du mehr tust und weniger zurückbekommst. Du postest häufiger, bist präsenter, sprichst mehr Menschen an, und trotzdem bleibt die Kurve flach. Dazu kommen höfliche Reaktionen wie ein Nicken oder ein freundliches „interessant“, aber niemand fühlt sich wirklich gemeint und niemand erzählt es weiter.
Warum kann Werbung ein beliebiges Angebot nicht retten?
Werbung kann nur verstärken, worüber sich überhaupt sinnvoll sprechen lässt. Wenn dein Angebot keinen eigenen Grund liefert, bemerkt zu werden, fehlt der Stoff für eine tragfähige Geschichte. Dann liegt die Arbeit nicht im Verbreiten, sondern im Produkt. Marketing beginnt beim Machen, nicht beim lauter Werden.
Wie eng sollte deine Zielgruppe gefasst sein?
Deine Zielgruppe sollte so eng beschrieben sein, dass klar wird, für wen dein Angebot genau richtig ist, und dass sich manche ausgeschlossen fühlen. Das ist kein Verlust, sondern die Voraussetzung, jemanden wirklich zu treffen. Wer für den Durchschnitt baut, baut für niemanden und bewegt am Ende keinen richtig.
Welche Geschichte funktioniert für deine Zielgruppe?
Eine wirksame Geschichte ist wahr und knüpft an das an, was deine Menschen ohnehin glauben und wollen. Sie versucht nicht, ihr Weltbild zu ändern, sondern dockt daran an. Ein guter Prüfpunkt ist, ob deine Zielperson den Satz selbst so unterschreiben würde. Das ist Empathie, kein Trick.
Wie schaffst du Bedingungen dafür, dass Kunden über dich sprechen?
Gib Menschen einen Grund zu reden, der ihnen selbst etwas bringt. Sie empfehlen nicht aus Nettigkeit, sondern weil sie dadurch klüger wirken, Zugehörigkeit spüren oder jemandem helfen können. Weitererzählen lässt sich nicht erzwingen, aber du kannst dein Angebot und deine Geschichte so gestalten, dass Reden für Kunden nützlich wird.