Deine Kunden kommen per Zufall, und Zufall kannst du nicht wiederholen
Funnel

Deine Kunden kommen per Zufall, und Zufall kannst du nicht wiederholen

Von Andreas Loskan21. September 202613 Min. Lesezeit

Mal kommt ein Kunde über eine Empfehlung, mal über eine Nachricht, dann wochenlang keiner. Das ist kein Vertriebsweg, das ist Glück, und Glück lässt sich nicht auf Bestellung wiederholen.

0:00 / 5:27

Frag jemanden, der von seiner Selbstständigkeit lebt, wie seine Kunden zu ihm kommen, und du hörst oft eine erstaunlich ehrliche Antwort: unterschiedlich. Mal empfiehlt jemand einen weiter. Mal schreibt einer nach einem Beitrag eine Nachricht. Mal meldet sich ein alter Kontakt. Und dann kommt wochenlang nichts, und niemand weiß so recht, warum.

Das klingt nach Vielfalt, und es fühlt sich eine Weile auch so an. In Wahrheit ist es das Gegenteil. Wer auf allen Wegen gleichzeitig ein bisschen unterwegs ist, hat keinen davon wirklich gebaut. Jeder neue Kunde ist dann kein Ergebnis, sondern ein glücklicher Zufall, und Zufall hat die unangenehme Eigenschaft, dass er sich nicht auf Bestellung wiederholt.

Der ruhige Monat kommt nicht, weil du weniger arbeitest. Er kommt, weil das Glück gerade woanders ist, und du keinen Hebel hast, es zurückzuholen.

Das Symptom: die Achterbahn, die du nicht steuerst

Du erkennst es an deinem Verhältnis zum Kalender. In guten Wochen bist du fast überrascht, dass es läuft, und traust dem Frieden nicht so recht. In stillen Wochen wächst eine leise Panik, und du fängst an, hektisch alles gleichzeitig zu versuchen: hier ein Beitrag, da eine Nachricht, dort ein Anruf bei jemandem, den du lange nicht gehört hast. Nicht aus Strategie, sondern aus Nervosität.

Achte auf ein zweites Zeichen. Wenn ein Kunde kommt, kannst du oft nicht klar sagen, warum gerade jetzt und gerade dieser. Es hat sich einfach ergeben. Das fühlt sich im Moment gut an, aber es ist eine Falle, denn was du nicht erklären kannst, kannst du auch nicht wiederholen. Du feierst das Ergebnis, ohne den Weg zu kennen, der dorthin geführt hat.

Und dann ist da die stille Rechnung im Hintergrund. Solange dein Zufluss schwankt, planst du dein ganzes Geschäft um die Angst vor der Lücke herum. Du sagst zu Aufträgen ja, die nicht passen, weil der nächste vielleicht ausbleibt. Nicht der leere Monat ist das Teuerste, sondern die Entscheidungen, die du aus Angst vor ihm triffst.

Die Diagnose: du hoffst, statt zu wählen

Der ehrliche Befund ist unbequem, weil er nicht nach mehr Anstrengung klingt. Du arbeitest nicht zu wenig an deiner Akquise. Du arbeitest an zu vielen Akquisewegen gleichzeitig, und keinen davon lange und ernsthaft genug, damit er verlässlich trägt.

Auf der Funnel-Stufe geht es nicht darum, überall präsent zu sein. Es geht darum, einen Weg bewusst zu wählen und ihn so oft zu gehen, bis du ihn im Schlaf kennst. Ein Weg, den du hundertmal gegangen bist, wird berechenbar: Du weißt, wie viele Gespräche wie viele Kunden bringen, wo es hakt, was du drehen kannst. Fünf Wege, die du je zwanzigmal halb gegangen bist, bleiben alle fünf ein Rätsel.

Die Zersplitterung fühlt sich sicherer an, als sei sie ein breiteres Fundament. In Wahrheit ist sie das Gegenteil von Fundament. Sie ist die Weigerung, sich festzulegen, verkleidet als Fleiß.

Kurz gesagt

Vielfalt in der Akquise ist kein Fundament, sondern die Weigerung, dich auf einen Weg festzulegen.

Die Übung: wähle einen Weg und mach ihn wiederholbar

Diese Übung nimmt dir für ein paar Wochen etwas weg, damit dir danach etwas Verlässliches bleibt.

Erster Schritt
1

Schritt 1, schau zurück auf deine letzten zehn Kunden

Schreib für jeden auf, über welchen Weg er tatsächlich zu dir kam. Nicht, wie du dir wünschst, dass Kunden kommen, sondern wie es wirklich war. Meistens zeichnet sich ein Weg ab, der öfter funktioniert hat als der Rest, oft genau der, den du nie bewusst gebaut hast.
2

Schritt 2, wähle genau einen

Entscheide dich für den einen Weg, den du die nächsten Wochen ernsthaft gehst, und leg die anderen bewusst zur Seite. Nicht für immer, aber jetzt. Diese Entscheidung ist der schwerste Teil, weil sie sich anfühlt, als würdest du Chancen wegwerfen. Du wirfst nichts weg, du hörst nur auf, dich zu verzetteln.
3

Schritt 3, zerlege den Weg in wiederholbare Schritte

Beschreib, was auf diesem Weg konkret passieren muss, damit aus einem Kontakt ein Kunde wird: der erste Anlass, das Gespräch, das Angebot, der Abschluss. Wenn du das aufschreiben kannst, kannst du es wiederholen, und wenn du es nicht aufschreiben kannst, hast du bisher nur gehofft.
4

Schritt 4, geh ihn oft genug, um Zahlen zu haben

Geh denselben Weg so lange und so bewusst, bis du merkst, wie viel oben hineingehen muss, damit unten ein Kunde herauskommt. Erst diese Zahl macht aus Hoffnung Planung. Ab dann weißt du, was zu tun ist, wenn ein Monat still zu werden droht.

Der nächste Schritt

Ich schreibe das nicht vom Gipfel herab. Ich gehe die Landkarte selbst, Stufe für Stufe, mit offenen Zahlen. Eine dieser Zahlen begleitet mich seit Monaten: 15.000 Euro Umsatz im Monat bei 24 Stunden Arbeit pro Woche sind rechnerisch 156 Euro pro Stunde. Diese Rechnung geht nur auf, wenn ich weiß, woher meine Kunden kommen. In einem Geschäft, das auf Zufall läuft, ist jede Stunde weniger wert, weil so viele davon in blinde Versuche fließen.

Seit ich einen Weg bewusst gewählt habe, ist die Achterbahn ruhiger geworden. Nicht, weil das Glück netter zu mir wäre, sondern weil ich nicht mehr auf es angewiesen bin. Ein stiller Tag ist kein Alarm mehr, sondern ein Tag, an dem ich weiß, welchen Hebel ich ziehe.

Bevor du also den nächsten Kanal aufmachst, weil du das Gefühl hast, du müsstest noch mehr Wege bespielen, prüfe ehrlich, ob mehr Wege überhaupt dein Engpass sind. Vielleicht ist es der eine Weg, den du nie zu Ende gebaut hast. Vielleicht sitzt die Bremse nicht im Zuwenig, sondern im Zuviel, das sich als Fleiß tarnt. Die ruhige Frage nach dem echten Engpass ist der Anfang, nicht der nächste Kanal.

8-Stufen-Engpass-Check

Sitzt dein Engpass wirklich auf Stufe 1?

In unter 10 Minuten zeigt dir der kostenlose Check, ob Klarheit dein aktueller Engpass ist oder ob er schon eine Stufe weiter sitzt.

Häufige Fragen

Woran erkennst du, dass deine Kundengewinnung vom Zufall abhängt?
Du erkennst es daran, dass dein Kalender sich wie eine Achterbahn anfühlt. In guten Wochen bist du überrascht, dass es läuft, in stillen Wochen wirst du nervös und probierst hektisch alles gleichzeitig. Ein weiteres Zeichen ist, dass du bei einem neuen Kunden nicht klar sagen kannst, warum er gerade jetzt kam. Was du nicht erklären kannst, kannst du auch nicht gezielt wiederholen.
Warum ist es problematisch, viele Akquisewege gleichzeitig zu nutzen?
Viele Akquisewege fühlen sich sicher an, führen aber oft zu Zersplitterung. Du bist dann überall ein bisschen unterwegs, baust aber keinen Weg so weit aus, dass er verlässlich trägt. Fünf halb gegangene Wege bleiben Rätsel, während ein Weg, den du oft genug gehst, berechenbar werden kann. Das Problem ist dann nicht zu wenig Fleiß, sondern zu wenig Festlegung.
Was ist der erste Schritt, wenn du deine Akquise wiederholbarer machen willst?
Schau auf deine letzten zehn Kunden zurück und schreibe für jeden auf, über welchen Weg er tatsächlich zu dir kam. Wichtig ist nicht, wie du dir deine Kundengewinnung wünschst, sondern wie sie wirklich passiert ist. Meist zeigt sich dabei ein Weg, der häufiger funktioniert hat als andere. Genau dort liegt oft der beste Ansatz, weil schon echte Hinweise vorhanden sind.
Wie wählst du den einen Akquiseweg aus, auf den du dich konzentrierst?
Du wählst den Weg, der bei deinen bisherigen Kunden am ehesten erkennbar funktioniert hat, und gehst ihn die nächsten Wochen bewusst. Die anderen Wege legst du nicht für immer weg, sondern nur für jetzt. Das kann sich anfühlen, als würdest du Chancen verlieren. Tatsächlich hörst du auf, dich zu verzetteln, und gibst einem Weg die Chance, tragfähig zu werden.
Wie machst du einen gewählten Akquiseweg wiederholbar?
Du zerlegst ihn in konkrete Schritte: den ersten Anlass, das Gespräch, das Angebot und den Abschluss. Danach gehst du denselben Weg oft genug, um zu erkennen, wie viel oben hineingehen muss, damit unten ein Kunde herauskommt. Erst diese Zahl macht aus Hoffnung Planung. Wenn ein Monat still zu werden droht, weißt du dann eher, welchen Hebel du ziehen kannst.