Zehn Wege auf deiner Seite kosten dich fast jeden Besucher
Jede zusätzliche Option auf einer Seite senkt die Wahrscheinlichkeit, dass irgendetwas passiert; wer alle Handlungsaufrufe bis auf einen streicht, führt seinen Besucher, statt ihn zu lähmen.
Ich habe meine wichtigste Seite lange wie ein Schaufenster behandelt, in das ich alles gestellt habe, was ich anzubieten hatte. Da war ein Button zum Newsletter, ein Link zum Blog, eine Einladung zum Gespräch, ein Verweis auf mein Angebot, dazu die Social-Icons und ganz unten noch ein Kontaktformular. Ich dachte, mehr Wege bedeuten mehr Chancen. In Wahrheit bedeuten sie mehr Ausreden, nichts zu tun.
Denn ein Besucher, der zehn Möglichkeiten sieht, trifft am Ende meistens eine einzige Entscheidung: keine. Jede zusätzliche Option kostet ihn einen winzigen Moment Abwägung, und diese Momente summieren sich zu einem Gefühl der Überforderung, das sich in genau einer Handlung entlädt, dem Schließen des Tabs. Ich hatte die Seite vollgestellt, um niemanden zu verlieren, und verlor dadurch fast jeden.
Ich schreibe das aus der Mitte der Landkarte, nicht von ihrem Gipfel. Als ich meinen eigenen 8-Stufen-Check gemacht habe, standen da acht Einsen, und der Funnel war eine davon. Der Grund war nicht zu wenig Reichweite. Der Grund war, dass jede meiner Seiten in fünf Richtungen gleichzeitig zeigte und deshalb in keine.
Das Symptom: viel Verkehr, wenig Bewegung
Du erkennst es an einer bestimmten Kluft. Menschen kommen auf deine Seite, die Zahlen im Hintergrund bestätigen es, und trotzdem passiert am Ende fast nichts. Kein Eintrag, keine Anfrage, keine Buchung. Der Verkehr ist da, die Bewegung fehlt. Das fühlt sich an wie ein Reichweitenproblem, ist aber eines der Führung.
Das zweite Symptom ist die Seite, die du selbst nicht in einem Satz erklären kannst. Frag dich, was ein Besucher als Nächstes tun soll, und wenn deine Antwort mit „also entweder, oder vielleicht auch" beginnt, hast du die Antwort schon. Wenn du selbst das Ziel der Seite nicht in fünf Worten sagen kannst, kann dein Besucher es erst recht nicht erraten.
Das dritte Symptom ist die Startseite als Sammelbecken. Du schickst jeden dorthin, den Interessenten aus einem Beitrag, den Kontakt aus einem Gespräch, den Leser aus einer Mail, und jeder landet auf derselben überladenen Fläche und muss sich selbst zurechtfinden. Das ist der teuerste Streuverlust im ganzen Funnel, weil er genau dort passiert, wo jemand schon aufmerksam war.
Das Prinzip: eine Seite, eine Handlung
Eine gute Seite ist keine Speisekarte, sie ist ein Wegweiser. Ein Wegweiser mit zehn Pfeilen in zehn Richtungen ist kein Wegweiser mehr, sondern ein Rätsel. Jede Handlung, die du anbietest, konkurriert mit jeder anderen um dieselbe begrenzte Aufmerksamkeit, und im Wettbewerb um Aufmerksamkeit gewinnt am Ende oft der Rückzug.
Der Denkfehler ist die Angst vor dem Verlust. Wir stellen den zweiten und dritten Aufruf dazu, um niemanden zu verpassen, der vielleicht lieber etwas anderes wollte. Aber die Rechnung geht andersherum auf. Jede Option, die du hinzufügst, verwässert die eine, die zählt. Weniger Wege bedeuten nicht weniger Ergebnis, sie bedeuten mehr, weil die Energie des Besuchers sich nicht mehr aufteilt, sondern bündelt.
Das heißt nicht, dass es überall nur eine einzige Sache zu tun gibt. Es heißt, dass jede einzelne Seite genau eine wichtigste Handlung hat, und alles auf ihr dieser Handlung dient. Andere Angebote verschwinden nicht aus deinem Business, sie bekommen ihre eigene Seite mit ihrem eigenen einen Ziel. Ein Ziel pro Seite, konsequent durchgehalten, ist Führung. Zehn Ziele pro Seite sind Höflichkeit, die niemand zu Ende geht.
Die Übung: streich alle Aufrufe bis auf einen
Nimm dir deine wichtigste Seite vor, die, auf die du den meisten Verkehr schickst. Diese Übung braucht eine Stunde und ein bisschen Mut zum Weglassen.
Schritt 1, benenne das eine Ziel der Seite
Schritt 2, zähl jeden Handlungsaufruf, der gerade da ist
Schritt 3, streiche alles, was nicht auf das eine Ziel führt
Schritt 4, mach den einen Aufruf unübersehbar
Schritt 5, gib den anderen Zielen ihre eigenen Seiten
Der nächste Schritt
Ich schreibe das nicht vom Gipfel herab. Ich gehe die Landkarte selbst, Stufe für Stufe, mit offenen Zahlen. Ich bin kein Guru mit perfekt gebauten Seiten, ich bin der Kartograf, der neben dir läuft und dieselben überladenen Seiten aufräumt, die er selbst gebaut hat. Und der klarste Fortschritt auf meiner Funnel-Stufe kam nicht aus mehr, sondern aus weniger.
Bevor du also mehr Verkehr auf deine Seiten schickst, prüfe, was mit dem Verkehr passiert, der schon da ist. Vielleicht liegt dein Engpass nicht in fehlender Reichweite, sondern in der Lähmung, die entsteht, wenn du deinen Besuchern zehn Wege anbietest statt einem. Bevor du die nächste Taktik anfasst, stell dir die eine Frage, die zählt: Wo sitzt dein echter Engpass?