Zehn Beiträge, zehn Themen? Das ist ein Fokus-Problem
Sichtbarkeit

Zehn Beiträge, zehn Themen? Das ist ein Fokus-Problem

Von Andreas Loskan6. September 20269 Min. Lesezeit

Wer über alles postet, bleibt für niemanden merkbar, und wie drei feste Themenfelder dir Wiedererkennung geben und das Erstellen leichter machen, weil jeder Beitrag auf eine Säule einzahlt.

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Die leere Seite hat einen kleinen Bruder, über den seltener geredet wird. Er heißt nicht „Was poste ich heute?", sondern „Worüber poste ich eigentlich?". Ein Tag Produktivität, am nächsten ein Gedanke übers Mindset, dann ein Werkzeug-Tipp, dann eine persönliche Geschichte, dann wieder etwas ganz anderes. Von innen fühlt sich das abwechslungsreich an. Von außen liest es sich als Zufall.

Und Zufall ist das Gegenteil von Wiedererkennung. Wer deinen dritten Beitrag sieht, kann nicht sagen, wofür du stehst, weil die ersten beiden von etwas völlig anderem handelten. Es bildet sich keine Erwartung, und ohne Erwartung entsteht kein Vertrauen. Menschen folgen nicht Leuten, die über alles reden, sondern Leuten, bei denen sie wissen, was sie bekommen.

Die Lösung ist keine strengere Disziplin und kein besserer Kalender. Es sind drei Content-Säulen: drei feste Themenfelder, auf die jeder deiner Beiträge einzahlt. Für dein Publikum entsteht daraus Wiedererkennung, für dich wird das Erstellen leichter, weil du nicht mehr aus dem ganzen Universum wählst, sondern aus drei klaren Feldern.

Das Symptom: du postest über alles und bleibst für nichts merkbar

Mach einen kurzen Test. Geh deine letzten zehn Beiträge durch und versuch, jeden in ein Wort zu fassen. Wenn dabei zehn verschiedene Wörter herauskommen, hast du kein Content-Problem, sondern ein Fokus-Problem. Deine Themen streuen so weit, dass sich für einen Außenstehenden kein Bild ergibt.

Das zweite Symptom spürst du beim Erstellen selbst. Jeder Beitrag beginnt mit der lähmenden Frage, worüber du diesmal schreiben sollst, und die Antwort ist jedes Mal ein neuer Kaltstart. Weil alles infrage kommt, drängt sich nichts auf. Grenzenlose Freiheit beim Thema klingt gut und ist in Wahrheit der Grund, warum du vor jedem Post neu ringst.

Und das teuerste Symptom ist die fehlende Position. Wenn jemand dich weiterempfehlen wollte, wüsste er nicht, wie. „Der schreibt über, äh, verschiedenes." Menschen merken sich Spezialisten, nicht Allrounder. Solange du über alles ein bisschen redest, gibst du niemandem eine Schublade, in die er dich einsortieren und aus der er dich wieder hervorholen kann, wenn er genau das braucht.

Das Prinzip: drei Säulen, die tragen

Drei Säulen sind die Balance zwischen zu eng und zu weit. Eine einzige Säule ermüdet dein Publikum und dich, weil derselbe Ton auf Dauer eintönig wird. Fünf oder mehr sind wieder Beliebigkeit mit anderem Namen. Drei sind genug für Abwechslung und wenig genug für Wiedererkennung. Sie geben dir drei Winkel auf dieselbe Person, ohne dass das Bild zerfällt.

Gute Säulen entstehen nicht am Reißbrett, sie liegen in dir schon bereit. Eine trägt meist dein Fachthema, das, worin du gut bist und wofür Menschen dich bezahlen. Eine trägt den Blick dahinter, deine Haltung, deine Prinzipien, die Art, wie du an die Dinge herangehst. Und eine trägt das Menschliche, deinen echten Weg, die Fehler, die Fortschritte, das, was dich nahbar macht. Zusammen ergeben diese drei ein rundes Bild: Kompetenz, Haltung, Mensch.

Der eigentliche Gewinn zeigt sich doppelt. Nach außen entsteht Wiedererkennung, weil jeder neue Beitrag eine der drei bekannten Säulen bestätigt und dein Bild schärft, statt es zu verwischen. Nach innen entsteht Leichtigkeit, weil jede Idee sofort einen Platz hat. Du fragst nicht mehr „Worüber?", du fragst „Auf welche Säule zahlt das ein?", und Ideen, die auf keine passen, lässt du guten Gewissens weg.

Kurz gesagt

Drei feste Säulen machen dich für andere merkbar und für dich selbst produktiv, weil jeder Beitrag ein bekanntes Bild bestätigt, statt ein neues zu beginnen.

Die Übung: deine drei Säulen definieren

Nimm dir eine halbe Stunde und ein leeres Blatt. Am Ende hast du drei Wörter, die deinen Content für die nächsten Monate ordnen.

Kopiere meine Säulen nicht. Kompetenz, Haltung, Mensch ist nur das Gerüst. Womit du diese drei füllst, ist deine Sache und niemandes sonst.

Deine drei Säulen
1

Schritt 1, sammle deine bisherigen Themen

Schreib alles auf, worüber du in letzter Zeit gepostet hast oder posten wolltest, ungeordnet und ohne zu werten. Diese Liste ist der Rohstoff, aus dem deine Säulen entstehen, denn sie stecken fast immer schon in dir, nur unsortiert.
2

Schritt 2, bilde Cluster

Geh die Liste durch und gruppiere, was zusammengehört. Fast immer fallen deine Themen in wenige Häufungen. Diese Häufungen sind die Kandidaten für deine Säulen, noch grob, aber schon erkennbar.
3

Schritt 3, wähle genau drei und benenne sie

Entscheide dich für die drei stärksten Cluster und gib jedem einen klaren Namen. Prüf sie gegen das Dreieck aus Kompetenz, Haltung und Mensch, damit du nicht drei Varianten desselben Fachthemas wählst und das Menschliche vergisst. Drei, nicht vier. Der Verzicht ist der Punkt.
4

Schritt 4, ordne jede Idee einer Säule zu

Nimm deine nächsten Content-Ideen und schreib hinter jede, auf welche Säule sie einzahlt. Was sich nicht zuordnen lässt, kommt nicht in den Plan. Diese eine Regel beendet das Themen-Chaos, weil sie jede Idee zwingt, sich einem deiner drei Felder anzuschließen.
5

Schritt 5, halte die Balance im Blick

Achte über die Wochen darauf, dass keine Säule verhungert. Wenn alles nur noch Fachthema ist und das Menschliche fehlt, wirst du wieder gesichtslos. Ein grober Wechsel zwischen den dreien reicht, kein starrer Takt. Wichtig ist nur, dass alle drei am Leben bleiben.

Der nächste Schritt

Ich schreibe das nicht vom Gipfel herab. Ich gehe die Landkarte selbst, Stufe für Stufe, mit offenen Zahlen. Auf der Sichtbarkeits-Stufe habe ich lange den Fehler gemacht, über alles zu reden, was mir gerade wichtig schien, und mich gewundert, warum sich kein klares Bild von mir formt. Drei Säulen haben daraus erst eine Position gemacht.

Und es ist auch eine Frage der Rechnung. Mein Ziel sind 15.000 Euro im Monat bei 24 Stunden pro Woche, das erzwingt 156 Euro pro Stunde, und an dieser Zahl gemessen ist ziellos gestreuter Content teuer. Drei Säulen machen jede Stunde Content wertvoller, weil jeder Beitrag auf dasselbe Bild einzahlt, statt es zu zerstreuen.

Bevor du also an deinen Säulen feilst, prüfe ehrlich, ob unklare Themen gerade wirklich deine Bremse sind. Vielleicht sitzt der Engpass eine Stufe früher, bei einem Angebot, das selbst noch unklar ist, denn wer nicht weiß, was er verkauft, findet auch keine drei Säulen. Die ehrliche Frage, wo dein echter Engpass sitzt, ist der Anfang, nicht die nächste Themenliste.

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Häufige Fragen

Woran erkennst du, dass dein Content ein Fokus-Problem hat?
An deinen letzten zehn Beiträgen erkennst du es am schnellsten. Wenn du jeden Beitrag in ein Wort fasst und dabei zehn verschiedene Wörter herauskommen, streuen deine Themen zu stark. Von außen entsteht dann kein klares Bild davon, wofür du stehst. Ein weiteres Zeichen ist, dass jeder neue Beitrag wie ein Kaltstart wirkt, weil grundsätzlich alles infrage kommt.
Warum sind drei Content-Säulen besser als eine oder fünf?
Drei Säulen geben dir genug Abwechslung, ohne beliebig zu werden. Eine einzige Säule kann dein Publikum und dich ermüden, weil immer derselbe Ton entsteht. Fünf oder mehr Säulen verwischen wieder dein Bild. Drei feste Themenfelder halten die Balance: Sie zeigen mehrere Seiten von dir, bleiben aber eng genug, damit Menschen dich wiedererkennen und einordnen können.
Wie findest du deine drei Content-Säulen?
Du startest mit einer halben Stunde und einem leeren Blatt. Sammle zuerst alles, worüber du zuletzt gepostet hast oder posten wolltest, ohne zu sortieren. Danach gruppierst du Themen, die zusammengehören. Aus den stärksten Clustern wählst du genau drei und gibst ihnen klare Namen. Prüfe sie gegen Kompetenz, Haltung und Mensch, damit nicht nur Fachthemen übrig bleiben.
Was machst du mit Content-Ideen, die zu keiner Säule passen?
Ideen ohne klare Zuordnung kommen nicht in deinen Plan. Die Regel ist bewusst streng, weil sie das Themen-Chaos beendet. Jede Idee muss auf eines deiner drei Felder einzahlen, sonst zerstreut sie dein Bild wieder. Der Verzicht ist dabei kein Verlust, sondern der Mechanismus, der aus vielen möglichen Themen eine erkennbare Position macht.
Wie hältst du deine drei Säulen im Alltag lebendig?
Du achtest über die Wochen darauf, dass keine Säule verhungert. Es braucht keinen starren Takt und keinen perfekten Wechsel, aber alle drei Felder sollten regelmäßig vorkommen. Wenn du nur noch Fachthemen postest und das Menschliche fehlt, wirst du wieder gesichtslos. Ein grober Wechsel reicht, solange jede Säule sichtbar bleibt.
Wann solltest du nicht zuerst an deinen Content-Säulen arbeiten?
Wenn dein Angebot selbst noch unklar ist, liegt der Engpass wahrscheinlich eine Stufe früher. Wer nicht weiß, was er verkauft, findet auch keine drei tragfähigen Säulen. Dann bringt eine neue Themenliste wenig, weil sie nur Ordnung auf einer unsicheren Grundlage schafft. Der erste Schritt ist die ehrliche Prüfung, wo deine eigentliche Bremse sitzt.