Zehn Beiträge, zehn Themen? Das ist ein Fokus-Problem
Wer über alles postet, bleibt für niemanden merkbar, und wie drei feste Themenfelder dir Wiedererkennung geben und das Erstellen leichter machen, weil jeder Beitrag auf eine Säule einzahlt.
Die leere Seite hat einen kleinen Bruder, über den seltener geredet wird. Er heißt nicht „Was poste ich heute?", sondern „Worüber poste ich eigentlich?". Ein Tag Produktivität, am nächsten ein Gedanke übers Mindset, dann ein Werkzeug-Tipp, dann eine persönliche Geschichte, dann wieder etwas ganz anderes. Von innen fühlt sich das abwechslungsreich an. Von außen liest es sich als Zufall.
Und Zufall ist das Gegenteil von Wiedererkennung. Wer deinen dritten Beitrag sieht, kann nicht sagen, wofür du stehst, weil die ersten beiden von etwas völlig anderem handelten. Es bildet sich keine Erwartung, und ohne Erwartung entsteht kein Vertrauen. Menschen folgen nicht Leuten, die über alles reden, sondern Leuten, bei denen sie wissen, was sie bekommen.
Die Lösung ist keine strengere Disziplin und kein besserer Kalender. Es sind drei Content-Säulen: drei feste Themenfelder, auf die jeder deiner Beiträge einzahlt. Für dein Publikum entsteht daraus Wiedererkennung, für dich wird das Erstellen leichter, weil du nicht mehr aus dem ganzen Universum wählst, sondern aus drei klaren Feldern.
Das Symptom: du postest über alles und bleibst für nichts merkbar
Mach einen kurzen Test. Geh deine letzten zehn Beiträge durch und versuch, jeden in ein Wort zu fassen. Wenn dabei zehn verschiedene Wörter herauskommen, hast du kein Content-Problem, sondern ein Fokus-Problem. Deine Themen streuen so weit, dass sich für einen Außenstehenden kein Bild ergibt.
Das zweite Symptom spürst du beim Erstellen selbst. Jeder Beitrag beginnt mit der lähmenden Frage, worüber du diesmal schreiben sollst, und die Antwort ist jedes Mal ein neuer Kaltstart. Weil alles infrage kommt, drängt sich nichts auf. Grenzenlose Freiheit beim Thema klingt gut und ist in Wahrheit der Grund, warum du vor jedem Post neu ringst.
Und das teuerste Symptom ist die fehlende Position. Wenn jemand dich weiterempfehlen wollte, wüsste er nicht, wie. „Der schreibt über, äh, verschiedenes." Menschen merken sich Spezialisten, nicht Allrounder. Solange du über alles ein bisschen redest, gibst du niemandem eine Schublade, in die er dich einsortieren und aus der er dich wieder hervorholen kann, wenn er genau das braucht.
Das Prinzip: drei Säulen, die tragen
Drei Säulen sind die Balance zwischen zu eng und zu weit. Eine einzige Säule ermüdet dein Publikum und dich, weil derselbe Ton auf Dauer eintönig wird. Fünf oder mehr sind wieder Beliebigkeit mit anderem Namen. Drei sind genug für Abwechslung und wenig genug für Wiedererkennung. Sie geben dir drei Winkel auf dieselbe Person, ohne dass das Bild zerfällt.
Gute Säulen entstehen nicht am Reißbrett, sie liegen in dir schon bereit. Eine trägt meist dein Fachthema, das, worin du gut bist und wofür Menschen dich bezahlen. Eine trägt den Blick dahinter, deine Haltung, deine Prinzipien, die Art, wie du an die Dinge herangehst. Und eine trägt das Menschliche, deinen echten Weg, die Fehler, die Fortschritte, das, was dich nahbar macht. Zusammen ergeben diese drei ein rundes Bild: Kompetenz, Haltung, Mensch.
Der eigentliche Gewinn zeigt sich doppelt. Nach außen entsteht Wiedererkennung, weil jeder neue Beitrag eine der drei bekannten Säulen bestätigt und dein Bild schärft, statt es zu verwischen. Nach innen entsteht Leichtigkeit, weil jede Idee sofort einen Platz hat. Du fragst nicht mehr „Worüber?", du fragst „Auf welche Säule zahlt das ein?", und Ideen, die auf keine passen, lässt du guten Gewissens weg.
Die Übung: deine drei Säulen definieren
Nimm dir eine halbe Stunde und ein leeres Blatt. Am Ende hast du drei Wörter, die deinen Content für die nächsten Monate ordnen.
Kopiere meine Säulen nicht. Kompetenz, Haltung, Mensch ist nur das Gerüst. Womit du diese drei füllst, ist deine Sache und niemandes sonst.
Schritt 1, sammle deine bisherigen Themen
Schritt 2, bilde Cluster
Schritt 3, wähle genau drei und benenne sie
Schritt 4, ordne jede Idee einer Säule zu
Schritt 5, halte die Balance im Blick
Der nächste Schritt
Ich schreibe das nicht vom Gipfel herab. Ich gehe die Landkarte selbst, Stufe für Stufe, mit offenen Zahlen. Auf der Sichtbarkeits-Stufe habe ich lange den Fehler gemacht, über alles zu reden, was mir gerade wichtig schien, und mich gewundert, warum sich kein klares Bild von mir formt. Drei Säulen haben daraus erst eine Position gemacht.
Und es ist auch eine Frage der Rechnung. Mein Ziel sind 15.000 Euro im Monat bei 24 Stunden pro Woche, das erzwingt 156 Euro pro Stunde, und an dieser Zahl gemessen ist ziellos gestreuter Content teuer. Drei Säulen machen jede Stunde Content wertvoller, weil jeder Beitrag auf dasselbe Bild einzahlt, statt es zu zerstreuen.
Bevor du also an deinen Säulen feilst, prüfe ehrlich, ob unklare Themen gerade wirklich deine Bremse sind. Vielleicht sitzt der Engpass eine Stufe früher, bei einem Angebot, das selbst noch unklar ist, denn wer nicht weiß, was er verkauft, findet auch keine drei Säulen. Die ehrliche Frage, wo dein echter Engpass sitzt, ist der Anfang, nicht die nächste Themenliste.